Trans Geschichte in Deutschland im 20. Jahrhundert

Trans Geschichte in Deutschland im 20. Jahrhundert
// mit Anton Schulte

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Zoom-Meeting am 16.12.2021 ab 18 Uhr beitreten über:
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Die Geschichte von trans Personen im 20. Jahrhundert ist schillernd und vielgestaltig.

Menschen, die die starre binäre Einkategorisierung in „Mann“ und „Frau“ überschreiten und ein anderes Geschlecht annehmen, als jenes, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, gibt es freilich nicht erst seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Eine spezifische moderne trans Identität entwickelte sich bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. In Berlin, der Hauptstadt des deutschen Kaiserreichs und dann der Weimarer Republik, und in Hamburg, zur selben Zeit eine pulsierende Metropole, gab es besonders viele Personen, die sich wohl heute als trans bezeichnen würden. Wenige Historiker:innen haben Spuren ihrer Biografien rekonstruiert.4 Diese Leben waren oft von Diskriminierung, Ausgrenzung und Unsicherheit geprägt. Gleichwohl waren diese Individuen keine passiven Rezipient:innen ihres Schicksals. Manche schlossen sich zu Interessengruppen zusammen und versuchten, Anerkennung für ihre Lebensweise zu bekommen und ihre Situation zu verbessern. Weniger wissen wir über trans-Personen im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945, die nicht in LGBQTI*-„Hochburgen“ lebten.

Spuren von trans Personen im 20. Jahrhundert in „herkömmlichen Archiven“ zu finden, ist nicht einfach: Personen, die nicht in die gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlecht und/oder Sexualität gepasst haben, sind oftmals nicht verzeichnet oder Materialien, die über sie berichten könnten, sind gar nicht erst als „aufhebungswürdig“ gesehen worden.

In diesem Vortrag soll es um das Leben von Walter H. gehen. Walter war vermutlich eine trans Frau. Mit Sicherheit ist dies nicht zu sagen, weil es keine Selbstzeugnisse über sie gibt. Zwischen 1926 und 1931 wurde sie als homosexueller Mann und als Transvestit, der die öffentliche Ordnung störte, von der Kriminalpolizei Frankfurt am Main strafrechtlich verfolgt. Ihre Akte fand ich 2019 im Zuge der Recherchen für meine Masterarbeit im „Hessischen Hauptstaatsarchiv“ in Wiesbaden.

An Walters Strafakte können wir Konzepte von Geschlechtszugehörigkeit und Sexualität des deutschen Staates und dessen Durchsetzung nachvollziehen. Gleichzeitig können wir aber auch etwas über Walters Leben, gefiltert durch die polizeiliche Brille, erfahren.

 

Mehr über Anton

Anton ist trans und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit an der MLU. Er promoviert zur Psychiatriegeschichte in Halle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Im Fokus der Analyse stehen Patient*innenakten der sogenannten „Universitäts-Nervenklinik“ Halle zwischen 1919 und 1945. In der  Arbeit soll untersucht werden, welche Narrative sich bei der Behandlung von Menschen mit sexuellen und geschlechtlichen Abweichungen herausbildeten. Vor allem die Prozesshaftigkeit der Behandlungen sind von Interesse: Wie entwickelten Ärzt:innen die Methoden? Wie kamen sie zu einer Diagnose? Welche gesellschaftlichen Ideale und welche konkreten Ziele wurden mit Therapien verfolgt?

https://www.geschichte.uni-halle.de/mitarbeiter/schulte/

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