„Silence = Death“: Die AIDS-Krise als Entstehungshintergrund queerer Politiken und Wissenschaft

„Silence = Death“: Die AIDS-Krise als Entstehungshintergrund queerer Politiken und Wissenschaft
// mit Martin Thiele

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Zoom-Meeting am 28.10.2021 ab 18 Uhr beitreten über:
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Die Herausbildung der Queer Theory und Queer Politics in den USA der ausgehenden 1980er und beginnenden 1990er Jahre und das damit verbundene Aufkommen postmoderner Formen des Aktivismus und des Denkens markiert einen Bruch mit dem Mainstream lesbisch-schwuler Bürgerrechtspolitiken. Das Bewusstsein über das Ende einer bewegungshistorischen Ära und die Euphorie des Aufbruchs steckt in jedem Satz, den die Queer Theory schreibt, und jedem Slogan, den queere Proteste skandieren.

Dieser in der Literatur oft als „Queer Moment“ bezeichnete Entstehungszeitraum queerer Politiken und Theorien fällt mit der sogenannten AIDS-Krise der 1980er Jahre zusammen. Das queere Projekt betritt also just in dem Moment die Straßen und das akademische Parkett, in dem sich schwule und bisexuelle Männer nicht nur einer Epidemie gegenübersehen, die sie in ihrem individuellen und kollektiven Fortbestehen bedroht, sondern ebenso einer Gesellschaft, die ihrem massenhaften Sterben schulterzuckend zusieht oder dieses sogar freudig begrüßt. Zunächst einmal mutet dieses Zusammenfallen der Entstehung einer neuen Bewegung mit ihrer Affirmation einer noch unbekannten, aber in jedem Fall queeren Zukunft mit einer gesellschaftlichen Situation, die bereits ihr Ende zu verheißen scheint, seltsam an.

Im Vortrag wird es darum gehen, diesen Zusammenhang näher zu beleuchten und damit begreifbar zu machen. Dabei soll herausgestellt werden, dass die queere Bewegung nicht rein zufällig vor dem Hintergrund der US-amerikanischen AIDS-Krise entsteht. Vielmehr sollen die mit ihr verbundenen epidemiologischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen für die lesbischen und schwulen Communities als notwendige Entstehungsbedingungen von Queer Theory und Queer Politics verstanden werden. Das Aufkommen bestimmter neuer theoretischer Denkbewegungen und politischer Strategien, die in den frühen 1990er Jahren unter dem Label „queer“ formieren, – so also These und Inhalt des Vortrages – sind nur vor dem Hintergrund der AIDS-Krise denk- und verstehbar. Im Zentrum der Auseinandersetzung werden vor allem die aktivistischen ACT UP-Gruppen stehen, die sich Mitte der 1980er Jahre vor allem in den Großstädten der USA gründen und als Wegbereiter queerer Bündnis- und Repräsentationspolitiken verstanden werden können.

 

Zum Referenten:
Martin Thiele ist Diplom-Erziehungswissenschaftler und lebt (gern) im lauschigen Halle an der Saale. Er ist als Berater, Präventionist und Geschäftsführer für die AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V. tätig. Darüber hinaus arbeitet er wissenschaftlich zu Themen queerer Bewegungs- und Sexualpolitiken. Zum Verständnis des Vortrages unerheblich, aber trotzdem erwähnenswert: Er liebt die Filme von Denis Villeneuve, hält Fran Lebowitz für die witzigste Person auf dem Planeten und plant privat in naher Zukunft die Anschaffung eines Malteser-Pudel-Mischlings.

Veröffentlichungen:
– Zum (Spannungs-)Verhältnis von Schwulenbewegung und Aidshilfe – Die AIDS-Krise als Katalysator von Institutionalisierung und Anerkennung. In: Ketelhut, Klemens/Lau, Dayana: Gender – Wissen – Vermittlung. Geschlechterwissen im Kontext von Bildungsinstitutionen und sozialen Bewegungen, 2019
– Die rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe als Politikum der Anerkennung pluraler L(i)ebensweisen? Ein allzu notwendiger Einwand. In: Soziologiemagazin 6/2, 2013

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