Diffraktionsexperimente zum Phänomen der Fernbeziehung

Diffraktionsexperimente zum Phänomen der Fernbeziehung
// mit Dr. Madeleine Scherrer

Im Buch Fernbeziehungen – Diffraktionen zu Intimität in medialen Zwischenräumen (erschienen im transcript Verlag, 2021) arbeitet Madeleine Scherrer heraus, dass Fernbeziehungen nicht nur normalisierte Vorstellungen von Intimität reproduzieren, sondern diese zugleich infrage stellen. Bei Fernbeziehungen handelt es sich um nahe soziale Beziehungen zwischen Personen, die über längere Zeit räumlich voneinander getrennt leben. Dabei wird meist implizit davon ausgegangen, dass es sich um ‚Liebesbeziehungen‘ handelt. Am Phänomen der Fernbeziehungen lässt sich eine grundlegende Verbindung von gesellschaftlichen Verhältnissen und individuellen Erfahrungsräumen festmachen.

Der Input im Rahmen der Veranstaltungsreihe stellt einerseits zentrale Einsichten aus dem erwähnten Buch zur Diskussion: Inwiefern ermöglicht es das Phänomen der Fernbeziehungen, vergeschlechtlichte, normalisierende Strukturen und Dynamiken naher sozialer Beziehungen zu untersuchen? Was bedeutet es, wenn gesellschaftliche Diskurse mit normalisierenden Wirkungen das individuelle Leben durchziehen? Andererseits wird das Konzept der „Diffraktion“ thematisiert, das insbesondere von der queer-feministischen Quantenphysikerin und Philosophin Karen Barad ausgearbeitet wurde. Dabei geht es unter anderem darum, empirische Forschung und Theoriebildung als Praktiken der Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir existieren, und als Teil dieser Welt zu verstehen. Diffraktives Denken und Forschen trägt auch dem Umstand Rechnung, dass Forschungsgegenstände – beispielsweise das Phänomen der Fernbeziehungen – im Rahmen der empirischen und theoretischen Untersuchung in einer bestimmten Art und Weise erst hervorgebracht werden. Das Phänomen der Fernbeziehungen ist dessen Bearbeitung demnach nicht vorgängig. Die folgenden Fragen sind dabei wichtig: Welche machtvollen Effekte haben spezifische Praktiken der Wissensproduktion und die durch diese Praktiken erzeugten Unterschiede? Was wird ausgeschlossen und inwiefern sind diese Ausschlüsse von Bedeutung? Der Input wird sich nicht zuletzt mit der Frage befassen, inwiefern Diffraktionsexperimente die Dekonstruktion normalisierter Intimitätsvorstellungen und hegemonial-dualistischer Denkweisen ermöglichen.

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